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Festivals

backup_festival 2015: Abseits der Leinwand

Wieder ein Filmfestival, aber dieses Mal ist alles ein bißchen anders. Ich bin in dreifacher Funktion auf dem Festival unterwegs: als Helfer,  als Festivalbesucher und als Pressevertreter. In den kommenden Tagen werde ich euch erzählen, was auf dem Festival gerade so passiert. Am Ende werde ich wie üblich wieder ein Best of aller gesehenen Kurzfilme präsentieren.

27.05.2015: Festivaleröffnung

Es geht endlich los und ich kann mich genüsslich zurücklehnen. Die Anfrage, die ich vor einer Woche an die Presseverantwortlichen wegen dem Titelbild zu diesem Beitrag geschickt habe, wurde heute endlich beantwortet. In der Zwischenzeit hatte ich mir die Bilder schon längst zusammenkopiert. Ich hab das Festival ja zwei Jahre mitorganisiert und weiß, wie stressig das zur Eröffnung werden kann. Das Wetter ist heute sehr ungemütlich, fast herbstlich, aber für ein Filmfestival ist das genau das richtige Wetter. Da kann man sich mit einem leckeren Kakao in den Kinosessel kuscheln. Zusammen mit meiner Freundin Mathilde ging es dann ins Lichthauskino, dem Hauptspielort des backup_festivals. Nach ersten Pläuschchen und der offiziellen Entgegennahme meines Team-Ausweises war dann noch etwas Zeit. Ich fragte an der Kasse nach dem Festivalkatalog, doch der käme erst morgen wurde mir gesagt. Erster Minuspunkt auf meiner mentalen Pro-und-Contra-Liste. Ich wollte schon mal im Katalog stöbern und Rechtschreibfehler suchen. 😉

backup-Logo im Eingangsbereich des Lichthauskinos

backup-Logo im Eingangsbereich des Lichthauskinos

Während der Wartezeit auf die Eröffnung, die traditionsgemäß mit Verspätung begann (zweites Minus), dachte ich zum ersten Mal über meinen Interessenskonflikt nach. Sollte ich überhaupt über die negativen Punkte hier in diesem Blog berichten? Schließlich bin ich doch als Ex-backup-erin immer noch mit dem Festival verbunden und will nicht, dass es in einem schlechten Licht erscheint. Auf der anderen Seite bin ich auch (im weitesten Sinne) Pressevertreter und der ist nun mal der Wahrheit verpflichtet. Ich entschied mich dafür, trotzdem die Minuspunkte zu bloggen, schließlich hatte ich mich auch schon über lange Warteschlangen und die frostig-kalte Jahreszeit bei der Berlinale beschwert. Gleiches Recht für alle Festivals. Nach einer etwas sehr langen Begrüßungsrede durch Festivalchefin Juliane Fuchs gab es dann ein Sonderprogramm von Animationsfilmen aus Lille, von denen mir der Film mit einer übergewichtigen Wanderin auf der Osterinsel am besten gefallen hat (Titel und Regisseur muss ich noch recherchieren).

Die Lounge ist ganz im Zeichen des diesjährigen Mottos: Vernetzung.

Die Lounge steht ganz im Zeichen des diesjährigen Mottos: Vernetzung.

Danach folgten Häppchen (wer auch immer den Hähnchen-Wrap und die Tomaten-Bruschetta gemacht hat: Lob und Anerkennung, sehr sehr lecker!)  und  ein Glas Sekt sowie ein kurzes Gespräch vor der Tür mit dem kanadischen Jurymitglied Philippe Grégoire, der mich derart enthusiastisch zum kanadischen Sonderprogramm eingeladen hat, dass ich morgen entgegen meiner ursprünglichen Planungen den weiten Weg zum Gaswerk (ebenfalls Spielort, aber unglaublich weit weg vom Schuss) machen werden. Das Festival eröffnet traditionell ein Konzert, der diesjährige Act war „Wooden Peak„. War zwar nicht schlecht, aber irgendwie auch nicht so meine Art Musik. Sehr melancholisch und schwer, dem Wetter entsprechend herbstlich. Hab trotzdem brav geklatscht. 😉 Im Anschluss kam ich mit Malin ins Gespräch, die sich ziemlich freute, dass ihr Landsmann kürzlich den Eurovision Song Contest gewonnen hat. Dann kam Amr dazu, der wie im letzten Jahr für die englischsprachige Übersetzung des Katalogs verantwortlich war, aber auch für diesen → animierten Clip zur Crowdfunding-Kampagne, den ich mehrfach gelobt habe. Dann ging es um deutschen Humor, deutsches Essen und die schwedische Aussprache. Danach wurde es recht kalt und ich müde. Daher habe ich kurz vor Mitternacht dann die Lounge verlassen und werde morgen gestärkt in den ersten Festivaltag zu starten.  

28.05.2015: Jetzt läuft’s!

Unglaublich, aber wahr. Die Sonne kam endlich raus. Der Tag mit dem meisten Festivalprogramm (zumindest für mich) begann um 12 Uhr mit den Blöcken Schwarz und Rot. Beide Blöcke waren geprägt von sehr düsteren Themen: Mord, Krieg, Protestbewegungen. Das hat mich doch etwas runtergezogen. Gott sei Dank gab es endlich die Kataloge und mein Jutebeutel-Set, dass ich im Zuge meines Crowdfundings verdient habe, konnte ich ebenfalls in Empfang nehmen. Sehr schickes Design. Danach wollte ich Mathilde treffen, doch dazu war wenig Zeit, weil noch DVD-Player für die Ausstellung gebraucht wurden und ich meinen kurzerhand für den guten Zweck ausgeliehen habe. Dazu musste ich aber noch kurz nachhause laufen und wieder zum Festivalgelände und dann ging es zum Hababusch, dem ersten Spielort von backup@home. Dort war es sehr gemütlich, aber leider gab es technische Probleme und zwei Filme waren nicht abspielbar. Dafür waren aber ein Regisseur und ein Tonmann da, die Fragen zu einem Film über einen Mann , der sich freiwillig umbringen lässt, beantwortet haben.

backup@home at Hababusch

backup@home at Hababusch

Danach ging es wieder zurück zum Lichthaus zu den Blöcken Blau und Grün. Vielen Dank übrigens wieder ans Catering. Die abendliche Brokkoli-Suppe war unglaublich lecker und der Topf deshalb auch schnell leer. Ich hatte bisher noch keinen Film gesehen, der mich wirklich zum Lachen gebracht hat, aber dann kam CHICKEN CUBE, den ich wirklich toll fand und der sich definitiv schon einen Platz in meinem persönlichen Best of verdient hat. Danach ging es dann ins Gaswerk, wie ich es gestern Philippe versprochen hatte. Die fünf kanadischen Filme waren wirklich gut. Mathilde und Philippe haben zusammen moderiert und es war eine sehr ausgelassene Stimmung dort. Der einzige Regisseur, den ich kannte, war Denis Villeneuve (PRISONERS). Philippe hat mich hinterher gefragt, ob mir mindestens ein Film gefallen hätte, falls ja, dann wäre er schon glücklich. Ich hatte zwei Favoriten, was ihn sehr gefreut hat. Danach ging es mit dem inoffiziellen Busshuttle zurück in die Stadt (wie gestern erwähnt: SEHR WEIT WEG vom Schuss). Im Lichthaus wurde ausgelassen gequatscht  und lockere Musik gespielt.

All you need @ backup. ;-)

All you need @ backup. 😉

Wir trafen wieder auf Malin, die berichtete, was sie heute schon alles fotografiert hat. Kurz nach Mitternacht küsste mich Mathilde unerwartet auf die Wange. Bei einem Blick auf die Uhr merkte ich, dass ich schon Geburtstag habe. Mathilde gab eine Runde Kirschlikör-Shots aus. Dieses Prozedere wiederholte sich noch einige Mal im Laufe der Nacht. Die Barverantwortlichen haben schon gefragt, ob ich „Kirschpromotion“ mache. Der war aber auch wirklich lecker. Um halb 3 bin ich dann nachhause. Morgen/Heute bin ich als Helfer im Gaswerk und bekomme zum ersten Mal die Chance die Installationen richtig zu begutachten.

29.05.2015: Nicht viel los!

Heute war ich als Helfer unterwegs. Ich musste die Gaswerk-Ausstellung beaufsichten, die leider in den dreieinhalb Stunden, in denen ich dort war, nur wenige Besucher angezogen hat. (Vielleicht liegt es daran, dass es so weit weg vom Schu… – ach was, ich geb’s auf.) Danach ging es zu backup@home im Jakobsplan. Das Programm dauerte ungewöhnlich lang. Normalerweise ist ein Block ca. eineinhalb Stunden lang, aber mit Regisseurinterview und allem Drum und Dran waren es zweieinviertel. Danach war mit mir nicht mehr viel anzufangen. Ich war ne Runde schlafen und habe den restlichen Abend mit meiner Freundin Mathilde meinen Freudentag gefeiert. (Danke für die tollen Geschenke und Überraschungen!)

backup@home in einer Küche im Jakobsplan

backup@home in einer Küche im Jakobsplan

30.05.2015: Endspurt!

Heute habe ich von 11-14 Uhr Einlasskontrolle gemacht. Mit der ebenfalls für diesen wichtigen Job eingeteilten Julia habe ich mich super verstanden und so gingen die paar Stunden wirklich schnell rum. Zwischenzeitlich „randalierte“ ein französischer Regisseur im Foyer und drängte alle Anwesenden doch für seinen Film positiv abzustimmen. Zu mehreren Zuschauern ging er hin und meinte: „This is the only good film.“ Nach dem zweiten Block habe ich dann unbedingt etwas essen müssen und das Cateringbüffet gestürmt. Ich kann das Catering nicht genug loben. Es ist wirklich alles unglaublich lecker und dieser Spinatdip, hmmm. Okay, zurück zum Thema. Ich habe mich dann raus auf die Terasse in die Sonne gesetzt und bin dort auf Wieland getroffen mit dem ich ein längeres Gespräch geführt habe. Themen waren unter anderem, dass BIRDMAN total überbewertet wird, dass EX MACHINA großartig ist, dass Disney im Moment alles recyclt und dass es extrem wenig intelligente Blockbuster gibt.

Ein Hoch auf das Catering!

Ein Hoch auf das Catering!

Danach ging es dann zu backup@home in die Jahnstraße in eine Villa. Das Screening dauerte länger als gedacht, weil wir noch drei Filme anschauen mussten, die bisher aufgrund technischer Probleme nicht abspielbar waren. Damit sie aber trotzdem gewertet werden können, durften wir diese nochmal bewerten. Waren aber alle drei nicht sonderlich gut. Der Block stand ganz offensichtlich unter dem Motto Beziehungen und ich habe auch schon einen tollen Film für die Kategorie „Bester Breaking-up-Kurzfilm“. Welcher das ist verrate ich erst in meiner Best of-Auflistung.

backup@home at Jahnstraße

backup@home at Jahnstraße

Danach musste ich wieder durch die Stadt zum Lichthaus laufen, denn um 19 Uhr startete der Clipaward, der im Vergleich zu anderen Blocks gut besucht war und durchaus auch ein paar sehenswerte Musikvideos enthielt. Danach ging es mal wieder zum Catering. Die asiatische Gemüsesuppe und die Erbsenminzsuppe waren beide lecker. Um halb 10 begann dann die Preisverleihung, die durchaus anzweifelswerte Juryurteile enthielt. So erhielt der völlig durchgeknallte Film (meiner Meinung nach) TRAFO tatsächlich den Hauptpreis. Ich habe mir den Film nicht noch ein zweites Mal angesehen und in diesen sieben Minuten aus Protest, Müdigkeit und Selbstschutz die Augen geschlossen. Ich hatte mich ja an der Crowdfunding-Kampagne für den backup.collaboration.award beteiligt und habe mich sehr gefreut, dass die Macher von CHICKEN CUBE das Geld bekommen haben. Da hat es die Richtigen getroffen und da ist mein Geld auch gut angelegt. Loben muss ich noch das Moderatorenteam Anna Ponnath und Johannes Kürschner, der mit sächselndem Akzent für zahlreiche Lacher sorgte und der mit seinen lässigen Sprüchen an Olaf Schubert erinnerte. Einfach top!

Titelbild: Filmstill aus dem diesjährigen Trailer, © backup_festival 2015

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