Letters Live am 6. März 2020

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Fast auf den Tag genau ein Jahr später war ich wieder in London. Wieder standen meine Begleitung vor der Union Chapel. Und die üblichen Verdächtigen, also die Hardcore-Zuschauer, waren auch wieder da. Das Wetter war im Gegensatz zum Vorjahr trocken, aber aus dem Vorjahr wusste ich schon, dass die letzten zehn Minuten vor der Union Chapel immer die härtesten sind. Wenn die Kälte aus dem Gehsteig in die Schuhe zieht. Dennoch war die Stimmung beim diesjährigen Letters Live einigermaßen entspannt. Meine Begleitung hatte natürlich auf Benedict Cumberbatch gehofft, aber nachdem dieser auch schon an den vorherigen Tagen nicht aufgetaucht war, hatte ich sie schon dezent darauf hingewiesen, dass es wohl ein Abend ohne die tiefe Bass-Stimme des benannten Schauspielers werden würde.

Die Decke der Union Chapel

Keine großen Namen

Und so war es auch. Keine Olivia Colman, auf die ich gehofft hatte, kein Benedict, kein Andy Serkis. Im Vergleich zum Vorjahr war das Letters Live-Line-up doch sehr dürftig. Der Abend begann mit einem verträumten Klavier-Geigenstück von Nitin Sawney, das mir sehr gut gefallen hat. Shaun Dooley hatte meiner Meinung nach die besten Briefe. Zuerst las er den Brief an Barbara Jane Mackle, die von Entführern lebendig begraben wurde und dann einen Brief mit Anweisungen vorfand ([…] „WE’RE SURE YOUR FATHER WILL PAY THE RANSOM WE HAVE ASKED IN LESS THAN ONE WEEK. WHEN YOUR FATHER PAYS THE RANSOM WE WILL TELL HIM WHERE YOU ARE AND HE’LL COME FOR YOU. SHOULD HE FAIL TO PAY WE WILL RELEASE YOU, SO BE CALM AND REST – YOU’LL BE HOME FOR CHRISTMAS ONE WAY OR THE OTHER.“ -Den kompletten Brief gibt es → hier.). Später kam er noch einmal wieder und meinte, dass er zwischendrin nochmal duschen war, weil der Entführerbrief so furchtbar eklig gewesen sei. Dann las er den Brief von „The Rozzers“ vor, die sich darüber beschwerten, dass das Rizz-Hotel in London den Rizz-Ballroom in Brighouse aufgrund der Namensähnlichkeit verklagt hatte und nun The Roozers dort nicht mehr auftreten können.

Auch kein Bond

Es gab einen kurzen Moment, indem ich wirklich inständig hoffte, dass Idris Elba auftaucht. Nämlich als ein Leserbrief im Daily Telegraph angekündigt wurde, der sich mit den Gerüchten um ein Bond-Casting von Idris Elba auseinandersetzt. Idris kam zwar nicht, aber dafür ein herrlich sarkastischer Leserbrief, vorgetragen von Micheal Ward.

Die Jungs geben den Ton an

Die wenigen Leute, die man auch über die Grenzen des britischen Königreiches hinaus kennen könnte, waren der Fernsehmoderator Alan Carr und die Schauspieler James Norton, Nicholas Hoult und Louise Brealey. Alan Carr erntete von allen Letters Live-Lesern den größten Applaus und seine Briefe waren wirklich die lustigsten, die ich bislang gehört habe. Der Grund, warum die Herren der Schöpfung überdurchschnittlich repräsentiert waren, kann vielleicht auch mit dem WOW-Festival (Women of the World-Festival) zu tun haben. Einen Tag später wurden dort auch Briefe vorgelesen. Von Rose McGowan, Olivia Colman, Amanda Abbington, Daisy Ridley, Sally Phillips… Ich war definitiv auf der falschen Veranstaltung. Der Abend endete seltsam komisch, was insbesondere am Schlussact, der Sängerin Amyra, lag. Deren Darbietung war viel zu lang. Und ich hatte irgendwie den Eindruck eine „Ich muss jetzt alles mit Bedeutung aufladen, damit es große Kunst ist“-Künstlerin vor mir zu haben. Ich konnte mit ihrem Stück „Burning in Burmingham“ nicht viel anfangen. Alles in allem war es aber ein netter Abend.

Ein Kommentar zu „Letters Live am 6. März 2020“

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