Shakespeares EIN SOMMERNACHTSTRAUM zählt zu den meistgespielten Komödien weltweit und im Theater in der Josefstadt hat sich Josef E. Köpplinger an den Klassiker gewagt. Das Ergebnis ist eine solide Inszenierung mit ein paar Glanzlichtern, aber auch einigen verstaubten Ecken. Kurz zur Geschichte: Im antiken Athen steht eine Hochzeit bevor. Herzog Theseus (Michael Dangl) will die Amazonenkönigin Hippolyta (Sandra Cervik) heiraten, die er zuvor im Kampf besiegt hat. Gleichzeitig soll Hermia (Juliette Larat) den von ihrem Vater auserwählten Demetrius (Tobias Reinthaller) heiraten. Dumm nur, dass sie eigentlich Lysander (Julian Valerio Rehrl) liebt. Also fliehen die beiden heimlich in den nächtlichen Wald. Demetrius folgt ihnen, und ihm wiederum folgt Helena (Melanie Hackl), die hoffnungslos in ihn verliebt ist. Im Wald treffen die vier auf das zerstrittene Elfenkönigspaar Titania und Oberon. Oberon sinnt auf Rache und schickt den schelmischen Kobold Puck (Alexander Absenger) los, um mit einer Zauberblume ordentlich Chaos zu stiften. Was folgt, ist ein turbulentes Verwirrspiel: Partner werden getauscht, Gefühle stehen Kopf, und niemand weiß mehr, wer wen eigentlich liebt.

Es wird historisch
EIN SOMMERNACHTSTRAUM beginnt bereits im Foyer des Theaters. Zwei Sängerinnen und zwei Sänger in opulenten barocken Kostümen mit Stehkragen stimmen dort walisische Lieder an. Mal stehen sie vor dem Eingang des Theatersaals. Mal stehen die Vier oben im Rang und singen sich von links nach rechts Lieder zu. Das sorgt schon einmal für etwas Spannung. Am Platz angekommen, beobachtet man dann den Zeremonienmeister (Alexander Absenger), der sich heimlich am Wein von Theseus und Hippolyta bedient und prompt dabei erwischt wird. Diese barocke, altertümliche Note zieht sich dann zumindest auf der Textebene weiter durch den Abend. Köpplinger hat sich für August Wilhelm Schlegels historische Übersetzung entschieden. Die klingt so, als würde man in einem alten Buch blättern. Das „Bühnendeutsch“ wirkt streckenweise angestrengt und lässt EIN SOMMERNACHTSTRAUM ziemlich altbacken wirken. Nicht wenige Verse rauschen nur am Publikum vorbei. Gerade jüngeres Publikum dürfte bei solchen Redeschwällen innerlich abschalten. Wer dagegen klassisches Theater ohne große Experimente schätzt, kommt hier auf seine Kosten.

Ein nicht ganz stimmiges Gesamtbild
Die Publikumslieblinge des Abends sind schnell ausgemacht. Alexander Absenger gibt einen schwung- und temperamentvollen Puck, dem man seine diebische Freude am Schabernack in jeder Sekunde abnimmt. Auch Robert Meyer als Handwerker Zettel und unfreiwilliger Esel zieht mit seinen komödiantischen Einlagen das Publikum schnell auf seine Seite. Auch dem restlichen Ensemble kann man schlecht etwas vorwerfen, auch wenn ich durchaus das Gefühl hatte, dass sie stellenweise ein bißchen mit dem Text kämpfen. Es kommt wirklich selten vor, dass ich mich über Kostüme auslasse, aber die sind hier leider nicht besonders konsistent. Die barocken Sängerinnen und Sänger im Foyer haben eine elisabethanische Optik etabliert. Doch dieses historische Terrain verlässt die Inszenierung schon recht schnell wieder. Hermia läuft mit High-Heels im Athener Zauberwald herum. Hippolyta wiederum trägt ein hollywoodeskes Walle-Walle-Kleid, das Sandra Cervik zwar sagenhaft gut steht, aber nicht so recht zum antiken Athen oder dem Elisabethanischen Zeitalter passt. Die Kostüme ergeben in Summe kein stimmiges Gesamtbild.

Klassisch oder bieder?
Auch im Bühnenbild ist immer ein irritierendes Motiv drin. So überzeugt das Bühnenbild insbesondere mit seinem sternenbehangenen Wald, der dann aber von überdimensionalen Leuchtröhren visuell durchgeschnitten wird. Was die Leuchtröhren symbolisieren sollen, habe ich nicht verstanden. Gerade die Elfenwelt hätte ein bißchen mehr Magie vertragen. Ist es einfach nur eine klassische Inszenierung oder schon bieder? Diese Frage habe ich mir ein paar Mal an diesem Abend gestellt. Klassisch per se muss ja nicht schlecht sein. Die Inszenierung funktioniert, sie unterhält, sie vergrault niemanden. Aber sie wagt auch nichts Neues. Keine überraschenden Regieeinfälle, keine neuen Lesarten, keine Ecken und Kanten. EIN SOMMERNACHTSTRAUM in der Josefstadt ist kein schlechter Theaterabend. Die Besetzung ist in Ordnung, der Einstieg im Foyer hat durchaus seinen Charme und das shakespearesche Grundgerüst der Handlung trägt ohnehin. Doch diese Inszenierung macht wenig neu. Die angestaubte Übersetzung und das uneinheitliche Kostümbild sorgen dafür, dass der Funke nicht so richtig überspringt. Für einen gemütlichen Theaterabend ohne große Überraschungen ist man hier richtig. Wer Shakespeare aber neu entdecken will, sollte eine andere Inszenierung anschauen.
Gesehen am 31. Dezember 2025
7/10



