Was haben wir gelacht (2026)

WAS HABEN WIR GELACHT kam mir eigentlich schon beim Filmfest München unter, allerdings hatte ich keine große Lust auf den Film. Sexismus im deutschen Unterhaltungsfernsehen ist jetzt auch nicht unbedingt ein Thema, das besonders dazu einlädt, eineinhalb Stunden im Kino zu verbringen. Nachdem sich die Mund-zu-Mund-Propaganda aber mehrheitlich positiv über diese Dokumentation ausgelassen hat, hatte ich dann doch Lust auf den Film. Die Dokumentation von Eva Müller und Isabel Schneider nimmt sich das Unterhaltungsfernsehen der Neunziger vor, erstmals konsequent aus weiblicher Perspektive erzählt. Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Bettina Böttinger, Gaby Köster und Esther Schweins blicken auf ihr eigenes Schaffen zurück und auf eine Branche, in der Frauen vor allem als hübsches Beiwerk herhalten mussten. Weiblicher Humor galt als Quotenkiller. Frauen haben die Pointe abbekommen, statt sie selbst zu setzen. Sozialisiert wurde eine ganze Generation mit lustigen, moderierenden Männern: „Wetten, dass…?“, die „Harald Schmidt Show“, später „TV total“. Wie hat uns diese Zeit geprägt? Und was hat Witzigsein mit Macht und Gleichberechtigung zu tun?

Szenenbild aus WAS HABEN WIR GELACHT - Hella von Sinnen zu Gast bei Thomas Gottschalk - © Archiv: ZDF, Wetten, dass...?, 02.03.1991
Hella von Sinnen zu Gast bei Thomas Gottschalk –
© Archiv: ZDF, Wetten, dass…?, 02.03.1991

Fünf Frauen, die nichts mehr weglächeln

Die zweijährige Recherche der beiden Regisseurinnen sowie die Erfahrungsberichte der fünf Protagonistinnen macht sichtbar, wie sich die Entertainerinnen in einem stark männlich geprägten Fernsehbetrieb behauptet haben. Formal kommt der Film recht brav daher. Eine Interviewsituation, dazu Archivmaterial, wie man das aus Dokumentationen kennt. Aber Müller und Schneider lassen ihre Protagonistinnen nicht nur passiv dasitzen, sondern diese schauen sich die alten Aufnahmen selbst noch einmal an und werden dabei gefilmt. Dadurch sieht man auch gleich, ob ein Witz heute noch zündet oder wie die Rezipientin darauf reagiert. Manchmal lachen alle. Manchmal schütteln sie den Kopf. Und manchmal lehnt sich – wie im Fall von Esther Schweins – eine Protagonistin so weit nach rechts um physisch Distanz zum Gesehenen aufzubauen, weil sie sichtlich Mühe hat, sich die Ausschnitte anzuschauen.

Szenenbild aus WAS HABEN WIR GELACHT - Esther Schweins © BASIS BERLIN Filmproduktion / ZDF / Thomas Lütz
Esther Schweins – © BASIS BERLIN Filmproduktion / ZDF / Thomas Lütz

Knie tätscheln und Aussehen bewerten

An vielen Stellen ist der Film wirklich überhaupt nicht lustig. Im Gedächtnis blieb mir eine absolut widerliche Szene, in der Harald Schmidt Brause aus dem Bauchnabel einer Frau aus dem Publikum leckt. Solche Momente wirken wie Fundstücke aus einer anderen Zeit. WAS HABEN WIR GELACHT arbeitet auch oft mit Zusammenschnitten. Da werden Szenen, in denen der männliche Moderator das Aussehen von Kandidatinnen oder Assistentinnen kommentiert, zusammengeschnitten. Ein Supercut zeigt, wie Thomas Gottschalk seinen weiblichen Gästen wieder und wieder die Hand aufs Knie legt oder sich an sie anschmiegt. Man sieht, wie sehr sich die Momente ähneln. So macht der Film den jahrelangen, ganz selbstverständlichen Sexismus im deutschen Unterhaltungsfernsehen sichtbar. Gleichzeitig verzichtet die Doku darauf, gegen einzelne Moderatoren den moralischen Zeigefinger zu erheben. Sie beschreibt deren Verhalten stattdessen als ganzheitliches, systemisches Problem, das von allen geduldet wurde. Ja, auch von den Frauen.

Szenenbild aus WAS HABEN WIR GELACHT - Hella von Sinnen - © BASIS BERLIN Filmproduktion / ZDF / Thomas Lütz Archiv: Radio Bremen, Nachtschwester Kroymann, 04.11.1994
Hella von Sinnen lacht über alte Sketche von Maren Kroymann – © BASIS BERLIN Filmproduktion / ZDF / Thomas Lütz
Archiv: Radio Bremen, Nachtschwester Kroymann, 04.11.1994

Starke Persönlichkeiten

Jede der interviewten Frauen hat in dieser Doku mindestens einen Moment, der mich begeistert hat. Bettina Böttinger gibt offen zu, dass manche Sprüche der männlichen Kollegen sie tatsächlich verletzt haben. Gaby Köster nennt Männer konsequent „die Dreibeinigen“. Esther Schweins verlässt kurz die Interviewsituation, nur um aus dem Off Harald Schmidt wütend als Wichser zu bezeichnen. Maren Kroymann erlebt eine kleine Offenbarung, als sie einen eigenen alten Witz noch einmal kritisch abklopft und man ihr bei diesem Aha-Moment zuschauen kann. All das lässt sich locker weggucken. Es macht wirklich großen Spaß, dabei zuzusehen, auch wenn Schläge in die Magengegend dabei sind. Wenn man denn meckern möchte, könnte man sich über den fehlenden Ausblick wundern. Eigentlich würde es sich anbieten, im letzten Drittel noch einmal auf die nachfolgenden Generationen von Comedy-Frauen im Fernsehen hinzuweisen. Anke Engelke fehlt hier genauso wie Carolin Kebekus, Martina Hill oder Sarah Bosetti. Der Film bleibt sehr eng bei seinen fünf Protagonistinnen und deren Arbeiten. Das hat mich aber nicht unbedingt geärgert. Eher weckt es Lust auf einen zweiten Teil.

Seit dem 16. Juli 2026 läuft WAS HABEN WIR GELACHT in den deutschen Kinos.

9.5/10

Bewertung: 9.5 von 10.

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