Okja (O, 2017)

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Dass übermäßiger Fleischkonsum nicht sonderlich gut für Mensch und Umwelt ist, ist hinlänglich bekannt. In OKJA wird für dieses komplexe Problem eine besondere Lösung angeboten. Dort wächst die junge Mija (Seo-Hyun Ahn) in den Bergen Südkoreas zusammen mit einem riesigen, aber sanftmütigen, genmanipulierten Schwein auf. Mija und “Okja” sind gemeinsam groß geworden. Doch Mija ahnt nicht, dass Okja besonders ist. Der mächtige Mirando-Konzern hatte im Jahr 2007 26 dieser Schweine an 26 Bauern verschenkt um herauszufinden, welche Umgebung optimal für diese Spezialzüchtung ist. Als nun eine Dekade später der berühmte Zoologe Dr. Johnny Wilcox (Jake Gyllenhaal) bei Mija auftaucht, denkt die noch nichts Böses. Doch Wilcox wurde von der Firmenchefin Lucy Mirando (Tilda Swinton) geschickt um das beste Tier zu prämieren. Kurze Zeit später wird Okja nach New York entführt, wo sie zunächst als Werbegesicht fungieren und dann zu Wurst verarbeitet werden soll. Mija startet eine planlose, aber entschlossene Rettungsaktion.

Szenenbild aus OKJA - Dr. Johnny Wilcox (Jake Gyllenhaal) - © Netflix
Dr. Johnny Wilcox (Jake Gyllenhaal) – © Netflix

Fleisch

Man sollte ja meinen, dass die vielbeschworene Bio-Welle zu einem geringeren Fleischkonsum führt. Doch schaut man sich den → Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland an, dann ist von diesem Trend noch nicht viel zu spüren. Es müssen Lösungen her. Die filmisch umgesetzte „Lösung“ von SNOWPIERCER-Regisseur Bong Joon-ho lässt sich auf mehrere Arten lesen. Zum einen ist der Film natürlich ein modernes Märchen. Wir haben hier ein starkes Mädchen, das sich allen Widerständen zum Trotz, auf eine Heldenreise begibt um ihren Freund zu retten. Davon abgesehen ist die kapitalismuskritische Note des Films ebenfalls relativ offensichtlich. Viele Zuschauer sahen auch eine pro-vegane Botschaft in dem Film. In zahlreichen Interviews haben das aber der Regisseur und auch einige Schauspieler relativiert. Es gehe nicht darum aus allen Zuschauern plötzlich Veganer zu machen, sondern mehr darum kritisch zu hinterfragen, wo das Fleisch herkomme und wie die Tiere gehalten werden. Der Regisseur hat zu Recherchezwecken auch ein Schlachthaus besucht, was ihn so nachhaltig beeindruckt hat, dass er → kurzzeitig Veganer wurde. Zurück in Korea konnte er das aber nicht mehr durchhalten, da Fleisch ein wesentlicher Bestandteil der koreanischen Küche ist. Hier offenbart sich auch eine ideologische Kritik. In vielen Ländern ist das Essen von Fleisch gesellschaftlich akzeptiert, allerdings werden hier Unterschiede zwischen den Tieren gemacht. Hunde oder Katzen sind Haustiere, um die man sich sorgt und kümmert, Schweine oder Kühe hingehen werden als Fleisch- und Milchlieferanten wahrgenommen. Mehr über „Carnism“ am Beispiel von OKJA gibt es in → diesem interessanten Youtube-Essay.

Szenenbild aus OKJA - Lucy Mirando (Tilda Swinton) will Mija (Seo-Hyun Ahn) für ihre Zwecke missbrauchen. - © Netflix
Lucy Mirando (Tilda Swinton) will Mija (Seo-Hyun Ahn) für ihre Zwecke missbrauchen. – © Netflix

Überzeichnete Charaktere

Das überdimensionale Riesenschwein wirkt trotz seiner Herkunft aus dem Computer wahnsinnig realistisch. Im Gegensatz zu Seo-Hyun Ahns Mija, die durch ihre natürliche Ausstrahlung auffällt, sind alle anderen Figuren hoffnungslos überzeichnet und menschgewordene Stereotype. Das würde ich in anderen Filmen vielleicht monieren, aber die Schauspieler haben eine so offensichtliche Spielfreude mit ihren Rollen, dass es ansteckend ist. Besonders Verwandlungskünstlerin Tilda Swinton, die nach HAIL, CAESAR! (2016) wieder Zwillinge spielt, und Jake Gyllenhaal bleiben nachhaltig im Gedächtnis. Dieser genießt es sichtlich den fiesen Antagonisten heraushängen zu lassen.  Doch auch die besten Schauspieler brauchen ein gutes Drehbuch und da hapert es dann doch etwas. Die Geschichte bietet kaum aufgrund der klassischen Heldenreise-Narration kaum Überraschungen. Auch die Teilaspekte des Fleischkonsums werden allesamt zugunsten des Märchens bzw. auch zugunsten von Actionsequenzen nur angerissen. Die zierliche Mija verfügt außerdem über unrealistische sportliche Fähigkeiten. Sie wirft sich gegen eine Glasscheibe, die natürlich bricht, hängt an fahrenden LKWs und kann auch sonst fahrende Transportmittel mit Leichtigkeit per Sprint verfolgen. Hier ist der Film nicht ganz konsistent.

3.5/6 bzw. 6/10

Trailer: © Netflix

3 Kommentare

  1. Ist zwar schon eine Weile her, insofern wage ich nicht, dir bei deiner Kritik zu widersprechen. Ich fand ihn damals aber deutlich stärker, weil der Film tatsächlich etwas mit mir gemacht hat. Danach habe ich tatsächlich eine Woche lang kein Fleisch gegessen, was wohl etwas zu radikal war, denn mein Körper hat sich irgendwann zurückgemeldet und nach seinen alten Ernährungsgewohnheiten geschrien…

    1. Auf mich hatte der Film keine großen Auswirkungen, was vielleicht auch daran liegt, dass ich ein „Bauernhofkind“ bin und auch schon ein paar Mal dabei war als Kühe geschlachtet wurden. Das ist ja an und für sich auch kein Problem, wenn es für den Eigenbedarf ist und man weiß, wo das Tier herkommt. Was OKJA gut herausarbeitet, sind die Probleme bei der Massentierhaltung und deren Vermarktung. Trotzdem konnte mich der Film nur so halb überzeugen.

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