Filterblasen… Der Begriff wird mittlerweile inflationär benutzt – für alles und jeden, der sich in seinem eigenen Weltbild einrichtet. Regisseur Sebastian Husak greift in BUBBLES genau diese Thematik auf und fragt, was passiert, wenn diese Filterblasen im echten Leben aufeinanderprallen. Ein gemeinsames Wochenende am Wattenmeer entwickelt sich für Fiete (Leonard Scheicher) zur emotionalen Zerreißprobe. Gemeinsam mit seiner Freundin Amiri (Zeynep Bozbay) trifft er auf seinen ehemals besten Freund Luca (Johannes Nussbaum), der mittlerweile in einer komplett anderen Welt lebt. Fiete und Amiri, weltoffen und aus der Stadt, treffen auf Luca „vom Dorf“. Was als harmlose Begegnung alter Freunde beginnt, entpuppt sich schnell zur Konfrontation zweier Weltbilder. Luca konfrontiert Fiete mit einer Schuld aus dessen Vergangenheit, die dieser lieber für immer begraben hätte. Während Amiri versucht, die angespannte Dynamik zwischen den beiden Männern zu verstehen, bröckelt Fietes Fassade langsam aber sicher. Die unaufgearbeitete Geschichte zwischen den ehemaligen Freunden drängt an die Oberfläche.

Welten kollidieren
BUBBLES inszeniert das klassische Aufeinandertreffen von Stadt und Land, von Nazi und Demokrat, von Verdrängung und Konfrontation. Husak hat ein feines Gespür dafür entwickelt, wie er diese Gegensätze in seinem Film aufeinanderprallen lässt. Die langsame, stetige Eskalation hält die Spannung kontinuierlich aufrecht. Man spürt förmlich, wie der Druck auf Fiete steigt, während er krampfhaft versucht, sein Lügenkonstrukt aufrechtzuerhalten. Besonders clever nutzt der Regisseur die Figur der Amiri als Identifikationsfigur für das Publikum. Sie weiß – genau wie wir – nicht, was zwischen den beiden Männern vorgefallen ist. Gemeinsam mit ihr decken wir Schicht für Schicht die verstörende Wahrheit auf. Zeynep Bozbay spielt diese Rolle mit einer Mischung aus Neugier und wachsendem Unbehagen überzeugend. Johannes Nussbaum verleiht Luca diese beunruhigende Mischung aus alter Vertrautheit und neuer Fremdheit. Man kauft ihm sowohl den ehemaligen besten Kumpel ab, als auch den politisch abgedrifteten Mann, der seine eigene Wahrheit mit sich herumträgt.

Vom Schweigen
Das Ergebnis ist ein intensives Kammerspieldrama, das sehr von den drei Hauptdarstellenden lebt. Der Film wirft unbequeme Fragen auf: Hätte Lucas‘ politische Radikalisierung verhindert werden können, wenn Fiete damals anders gehandelt hätte? Ist Fietes vermeidende, unehrliche Art am Ende nicht die gefährlichere Option? Er wählt scheinbar den leichten Weg – doch welche Konsequenzen hat das für ihn und seine Mitmenschen? BUBBLES zeigt eindringlich, dass Schweigen und Verdrängen keine Lösung sind. Fietes Netz aus Lügen wird ihm zum Verhängnis und entpuppt sich als gewaltiges Chaos, das alle mit hineinzieht. Leonard Scheicher spielt diesen innerlichen Konflikt richtig gut und glaubwürdig. Man sieht ihm an, wie er zwischen Selbstschutz und schlechtem Gewissen hin- und hergerissen ist.

Echte Bubbles
Immer wieder durchbrechen Bilder vom Watt die Konfrontationen. Der Meerschaum schiebt sich langsam ans Ufer. Diese visuellen Metaphern funktionieren erstaunlich gut und geben dem Film eine poetische Note, ohne übermäßig kitschig zu wirken. Die Grundidee der „Bubbles“ – dieser abgeschotteten Lebenswelten, in denen Menschen gefangen sind – ist eigentlich ein spannender Ausgangspunkt. Leider geht sie in der Rahmenhandlung manchmal etwas unter. Gegen Ende verliert BUBBLES leider etwas an Fahrt. Die Geschichte wird zunehmend unglaubwürdig und hat mich als Zuschauerin ein bisschen verloren. Was als psychologisch dichtes Drama beginnt, driftet in eine zu konstruierte Handlung mit reichlich Zufällen ab. Die Handlung wirkt stellenweise zu plakativ. Das bedeutet nicht, dass die Handlung komplett unrealistisch wird, aber so ganz plausibel ist das Ende nicht. Man merkt dem Drehbuch an, dass es zwanghaft auf einen bestimmten Höhepunkt zusteuern will. Trotzdem ist der Film ein sehenswertes Drama über Freundschaft, Beziehungen, alte Wunden und persönliche Abgründe. BUBBLES hat seine Schwächen, schafft es aber, dass man über den eigenen Tellerrand schaut – und vielleicht sogar eine Anregung bekommt aus der eigenen Filterblase auszubrechen.
8/10



