Project Hail Mary (2026)

Bei einem Überraschungsbesuch in einem New Yorker Kino machte Hauptdarsteller Ryan Gosling eine bemerkenswerte Aussage. In Zeiten steigender Beliebtheit von Streamingdiensten, sinkender Kinoticket-Verkäufe und Debatten, in denen die Schuld an Kinoflops auf das Kinopublikum geschoben wird, lieferte Gosling die Anti-These. → „Hier sind wir nun, wir sind alle wieder in den Kinos. Es ist nicht eure Aufgabe, sie offen zu halten, es ist unsere Aufgabe, Filme zu schaffen, dass es sich für euch lohnt, herzukommen.“ Und ja, für seinen neusten Film PROJECT HAIL MARY lohnt sich der Gang ins Kino wirklich sehr. Im Sci-Fi-Abenteuer von Phil Lord und Christopher Miller erwacht der Molekularbiologe und Naturwissenschaftslehrer Ryland Grace (Ryan Gosling) an Bord eines Raumschiffs. Er ist weit entfernt von der Erde und muss sich erst einmal erinnern, warum er überhaupt hier ist. Seine Erinnerungen kehren bruchstückhaft zurück. Grace spielt eine zentrale Rolle in einem Wettlauf gegen die Zeit. Denn eine rätselhafte Substanz bedroht die Sonne und damit das Überleben der Menschheit. Um die Katastrophe abzuwenden, soll Grace den Ursprung der Substanz finden. Während seiner Reise trifft er einen überraschenden Freund. Ein Alien, das er „Rocky“ (James Ortiz) tauft.

Szenenbild aus PROJECT HAIL MARY - DER ASTRONAUT - Ryland (Ryan Gosling) im All - Photo credit: Jonathan Olley
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Ryland (Ryan Gosling) im All – Photo credit: Jonathan Olley
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Herz, Humor und Weltraumspektakel

Als Ridley Scotts Weltraum-Survivaldrama THE MARTIAN 2015 zum Kassenschlager wurde, stieg auch die Neugier auf den Autor Andy Weir. Im Selbstverlag hatte er die Romanvorlage für das gleichermaßen spannende wie unterhaltsame Mars-Abenteuer geliefert, das an den weltweiten Kinokassen das Fünffache seines Budgets von 108 Millionen Dollar einspielen konnte. Kein Wunder also, dass man sich in der Traumfabrik recht schnell weitere Filmrechte von ihm sicherte. PROJECT HAIL MARY machte zudem im Vorfeld schon von sich reden, weil die Testscreenings auffällig positiv waren. Bereits Mitte 2025 wurde eine fast dreistündige Schnittfassung bei einem Testscreening gezeigt und das Publikum war recht angetan. Die visuellen Effekte wirkten schon fast fertig, die Kameraarbeit wurde als hochwertig beschrieben und das Pacing schien bereits zu sitzen.

Szenenbild aus PROJECT HAIL MARY - DER ASTRONAUT - Ryland (Ryan Gosling) und Eva Stratt (Sandra Hüller) bereiten die Rettungsaktion vor. - Photo credit: Jonathan Olley
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Ryland (Ryan Gosling) und Eva Stratt (Sandra Hüller) bereiten die Rettungsaktion vor. – Photo credit: Jonathan Olley
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Besser als DER MARSIANER? Ich finde schon.

Der Vergleich mit THE MARTIAN drängt sich auf: gleicher Autor, ähnliche Weltall-Geschichte. Und tatsächlich löst PROJECT HAIL MARY einige Aspekte eleganter. In THE MARTIAN dienten die Videologs vor allem dazu, dem Kinopublikum die Handlung zu erklären. Am Ende passiert aber nichts mehr damit. Die Logs werden nicht archiviert oder an die Erde gesendet. In PROJECT HAIL MARY erreichen die Aufzeichnungen tatsächlich die Erde. Wissen wird ausgetauscht und Handlungsfäden miteinander verknüpft. Auch die globale Bedrohung wirkt deutlich glaubhafter. Ob die NASA wirklich ein Vermögen für die Rettung eines einzelnen Astronauten ausgeben würde, konnte man in THE MARTIAN durchaus kritisch hinterfragen. Für mich war das schon ein größeres Logikloch. Hier hingegen kooperiert die internationale Gemeinschaft, weil es um die Zukunft des gesamten Planeten geht, was plausibler ist. Überhaupt wirkt PROJECT HAIL MARY ein bißchen geerdeter als sein spiritueller Vorgänger.

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Ryland (Ryan Gosling) im All – Photo credit: Jonathan Olley
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Gosling: Holpriger Start, starke Landung

Mit Ryan Gosling hatte ich anfangs so meine Probleme. Weder den Mittelschullehrer noch den Molekularbiologen habe ich ihm abgekauft. Da helfen auch kein Brillengestell und ein Schlabberpulli. Glücklicherweise geht es aber relativ schnell ins All. Und spätestens im Zusammenspiel mit dem Stein-Alien Rocky funktioniert’s dann plötzlich richtig gut. Gosling spielt den überforderten Weltenretter mit einem charmanten Mix aus Panik und Neugier. Allerdings muss man an manchen Stellen das Hirn etwas ausschalten. Nicht alles, was im All passiert, ist nachvollziehbar. Die Entscheidungen von Grace und Rocky wirken gelegentlich etwas willkürlich. Und dass Grace relativ fix eine Übersetzungssoftware aus dem Hut zaubert, damit sich die beiden in Echtzeit mit Übersetzung unterhalten können, fand ich schon sehr auffällig zufällig.

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Ryland Grace (Ryan Gosling) – Photo credit: Jonathan Olley
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Sandra Hüller und das knuffigste Steinwesen im Universum

Aus deutscher Sicht ist natürlich Sandra Hüller interessant, die hier ihr Hollywood-Blockbuster-Debüt feiert. Als Eva Stratt, die Frau hinter dem geheimen Raumfahrtprogramm zur Rettung der Erde, hat sie die Aufgabe, Ryland zu rekrutieren und ihn schließlich ins All zu schicken. Trotz begrenzter Screentime gelingt es ihr mühelos, ihrer Figur Tiefe zu verleihen. Stratt ist auf der einen Seite unfassbar „deutsch“, also: effizient, direkt und humorlos. Auf der anderen Seite blitzt aber auch immer ihre emotionale Seite durch. Etwa, wenn sie Karaoke singt (TONI ERDMANN-Flashback!) oder wenn sie sichtlich mitleidet, als sie einen Astronauten zwangsrekrutieren muss. Knuffiger ist da im direkten Vergleich „Rocky“, das Stein-Alien. Puppenspieler und Sprecher James Ortiz hat die Figur zum Leben erweckt. Rocky war in jeder einzelnen Szene physisch am Set präsent. Das merkt man dem Film deutlich an. Die Interaktionen zwischen Gosling und Rocky sind humorvoll, warmherzig und überraschend berührend. Phil Lord und Christopher Miller haben es mit PROJECT HAIL MARY mit ihrem Film auf Platz 4 der 10 weltweit erfolgreichsten Filme (nach Einspielergebnis; Stand: 29.03.2026) im ersten Quartal 2026 geschafft. Überraschend kommt das nicht. Es ist die bewährte Mischung, die schon bei THE MARTIAN überzeugt hat. Wer diesen Film schon mochte, wird PROJECT HAIL MARY genauso lieben.

8.5/10

Bewertung: 8.5 von 10.

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