Adoring Audience

Begeisterung für Filme, Serien und Theater

Drama, Horror, Science-Fiction

Under the Skin (OmU, 2013)

© Senator Home Entertainment

Die Menschwerdung des Außerirdischen

Eine Kinokampagne sei zu teuer, sagte der Verleiher Senator und ließ UNDER THE SKIN auf ein paar Festivals laufen und danach auf DVD erscheinen. „Eine bundesweite Kinokampagne für einen internationalen Film verlangt nach einem sechsstelligen Vermarktungsbudget“ und das wollte der Verleih offenbar nicht ausgeben für einen Film, der → „weder typischer Mainstream, noch typisches Arthaus“ ist. Zugegeben, UNDER THE SKIN ist tatsächlich schwierig zu fassen, ignorieren sollte man den Film aber dennoch nicht. Die Alienfrau Laura (Scarlett Johansson) fährt in einem Lieferwagen durch Schottland. Ihre Aufgabe ist die Suche nach Beute. Mit ihren schwarzen Haaren, den roten Lippen und einem hypnotisierenden Augenaufschlag verführt sie ahnungslose Männer, die auf schnellen Sex mit der Schönen hoffen. Doch viel zu spät fällt ihnen auf, dass sie benutzt werden. Je länger Laura sich mit der menschlichen und männlichen Natur beschäftigt, bekommt sie Zweifel an ihrer Aufgabe.

© Senator Home Entertainment

Von Schönheit und Sexismus

Diesen Film in Worte zu fassen ist schwer. Viele verschiedene Aspekte werden zum Thema gemacht. Zum einen die Schönheit. Oder vielmehr der schöne Schein. Und der öffnet in der heutigen Welt einfach Türen oder verschließt sie auch. Laura lernt recht schnell, dass ihr Aussehen eine gewisse Wirkung auf ihre Mitmenschen hat und das ein roter Lippenstift bei der Suche nach geeigneten Opfern Wunder wirken kann. Gleichzeitig fehlt ihr dieses Gefühl für Schönheit. Als sie einen Mann mit einem durch Neurofibromatose entstelltes Gesicht trifft, sieht sie nur das Geschlecht, nicht aber sein Aussehen. Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Und gerade die finale Szene des Films führt dem Zuschauer dies vor Augen. Jonathan Glazer zeigt dem Zuschauer, nachdem er das Grauen und die Schönheit gesehen hat, wie es unter der Haut von Laura aussieht. Es geht darum, was den Menschen in seinem Inneren ausmacht. Zum anderen behandelt der Film auch das Thema Sexismus und die Wahrnehmung von Frauen. Sexismus ist hier in zwei Richtungen zu denken. Zum einen wird hier die Frau als reines Sexobjekt gesehen und die meisten Männer als Nahrungsmittel (da bekommt der Begriff man-eater eine völlig neue Bedeutung).

© Senator Home Entertainment

Langatmig mit Tiefgang

In UNDER THE SKIN steckt viel drin und gleichzeitig ist der Film auch sehr langatmig. Es ist schwer, nicht irgendwann einfach einzuschlafen oder auszuschalten. Scarlett Johansson ist der (einzige) Grund, warum man weiter dranbleibt. Auch noch Tage nach der Sichtung sind die düsteren Bilder und das Kratzen der Geigenseiten des Soundtracks immer noch im Kopf. Und das, obwohl der Film über weite Strecken unfassbar langweilig ist. Es passiert wenig, richtig gesprochen wird auch erst ab der 13. Filmminute und danach nur wenig. Die gleichnamige Romanvorlage von Michel Faber erklärt mehr. Ohnehin basiert der Film nur lose auf dem Roman. Wer also auf eine weniger kryptische Erzählung des Stoffes zurückgreifen will, sollte das Buch lesen und dabei ganz fest an Scarlett Johansson denken.

(4.5/6)

Trailer: © Senator Home Entertainment

  1. Habe ihn damals einen Tag vor DVD-Start in einem winzigen Kino gesehen und war extrem enttäuscht. Aber der Film bleibt im Kopf, reift dort und mittlerweile bin ich so weit, dass ich ihn unbedingt nochmal sehen will. Habe das Gefühl, dass er inzwischen einen ganz anderen Eindruck bei mir hinterlassen wird.

  2. Ich mochte den Film, weil er wirklich sehr anders und sehr merkwürdig ist. Das hat mich alles irgendwie sehr fasziniert. Gleichzeitig ist der Film aber auch so komplett anders als das Buch (das ich durchaus empfehlen kann). Ich kann verstehen, wenn man mit dem Film so seine Schwierigkeiten hat, ich hatte sie auch.. es ist halt mal wirklich was komplett anderes… und allein schon dafür mag ich ihn wieder sehr.

  3. Den müsste ich auch mal wieder schauen. Hab den damals tatsächlich im Kino (in eine der sehr wenigen Vorstellungen hier bei uns) gesehen und war auf eine eigenartige Weise fasziniert von dem Film. Die dissonante Musik bleibt einem aber auch in Erinnerung und einige prägnante Bilder ebenso.

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