Meerjungfrauen interviewen

Dieser Film konnte nur gut werden. Einen Vorgeschmack auf den Humor und den Look auf den Film gab es bereits im Januar 2015 als Russell Crowe per Liveschalte einen Preis bei dem australischen Filmpreis vergeben sollte und von Ryan Gosling während seiner Ansprache → auf unterhaltsamste Weise gestört wurde. Auch → das virale Marketing zum Film –  beide Hauptdarsteller absolvieren unter der Aufsicht von Melissa Rauch eine Paartherapie – hat sicherlich dazu beigetragen, dass der Film in aller Munde war. Und während manchmal die Promotion besser ist als der fertige Film, bekommt man hier genau das was man erwartet. Im Los Angeles des Jahres 1977 verprügelt Jackson Healy (Russell Crowe), ein bezahlter „Mann für’s Grobe“, den Privatdetektiv Holland March (Ryan Gosling). Auftraggeberin der gewalttätigen Attacke ist die vermisste Amelia (Margaret Qualley), die Holland für seine Auftraggeberin ausfindig machen soll. Kurz darauf werden die beiden von Judith Kuttner (Kim Basinger), einer hochrangigen Mitarbeiterin im Justizministerium und Mutter von Amelia, beauftragt ihre Tochter zu finden. Die Aussicht auf die hohe Gage für ihre Tätigkeit schweißt das ungleiche Paar zusammen. Doch Healey und March gehen nicht allein auf die Suche, denn Marchs pubertierende Tochter Holly (Angourie Rice) ist ebenfalls mit von der Partie. Als Amelia gefunden ist, erklärt diese, ihre eigene Mutter wolle sie umbringen, da sie  einen illegalen Multi-Milliarden-Dollar-Deal öffentlich machen wollte, in den ihre Mutter verwickelt ist. Kurz darauf steht der Profikiller John Boy (Matt Bomer) in Marchs Haus und Amelia ist wieder verschwunden.

Jackson Healy (Russell Crowe), Holland und Holly March (Ryan Gosling, Angourie Rice) – © Concorde Filmverleih

Eine gelungene Zeitreise

Los Angeles, 1977. Das berühmte Hollywood-Zeichen verfällt. Es bilden sich lange Schlangen für Benzin und eine dicke Smogdecke raubt Mensch und Tier den Atem. Korruption ist an der Tagesordnung. Regisseur und Drehbuchautor Shane Black setzt seine beiden Hauptdarsteller in einer pessimistischen Zeit aus, die offenbar nur mit Humor zu ertragen ist. Wohldosiert sind popkulturelle Anspielungen auf die damalige Zeit. Hier mal ein Werbeplakat für JAWS 2 (nicht ganz historisch korrekt: JAWS 2 kam erst im Juli 1978 in die amerikanischen Kinos), da Werbung für Tim Allen im → „Comedy Store„: alles sehr unaufdringlich. Die Atmosphäre der 70er wird sowohl mit dem Soundtrack als auch der Ausstattung gut eingefangen. Grässliche Tapeten, zweifelhafte Mode und sinnlose Protestaktionen inklusive.

Judith Kuttner (Kim Basinger) – © Concorde Filmverleih

Hässliche Schönlinge

Während Russell Crowe so ausschaut wie immer, machen sich besonders Matt Bomer und Ryan Gosling richtig hässlich. Matt Bomers Haarschnitt gepaart mit seinem Psychopathenblick machen John Boy (Anspielung auf eine gleichnamige, ähnlich aussehende Figur aus der amerikanischen TV-Serie DIE WALTONS) zu einem würdigen Bösewicht. Den Vogel schießt allerdings Ryan Gosling ab, der mit dem Bart und dieser Kombination aus permanentem Verplant-Sein und blindem Aktionismus schon lustig ist, ohne auch nur den Mund aufzumachen.  Allerdings fragt man sich schon öfter, warum Hollard March seine Tochter überallhin mitnimmt, ganz besonders, wenn die beiden Privatdetektive auf einer Promi-Porno-Party ermitteln. Zweites Manko ist, dass es Shane Black nicht ganz gelingt das starke Anfangsniveau zu halten, was hauptsächlich darin begründet ist, dass die zweite Hälfte actionreicher, düsterer und somit auch weniger gut zum Witzemachen geeignet ist. Dabei sind es gerade diese Oneliner („Du warst im Pool? Warum?“ „Ich musste Meerjungfrauen befragen.“), die THE NICE GUYS zu einer der besten Komödien des Jahres machen.

(5/6)

Trailer: © Concorde Filmverleih