Adoring Audience

Kritiken zu Filmen, Serien und NT Live-Übertragungen

Abenteuerfilm, Drama, Science-Fiction

The Martian (3D, 2015)

© 2015 Twentieth Century Fox

Space-Pirate auf dem Mars

Nachdem Ridley Scott zuletzt mit EXODUS ein eher mittelmäßiges Drama ablieferte, ist DER MARSIANER eine gelungene Abwechslung und reiht sich in die wieder aufkeimende Begeisterung für Weltraumfilme (INTERSTELLAR, GRAVITY) der letzten Jahre ein. Als es während einer ARESIII-Marsmission unter dem Kommando von Melissa Lewis (Jessica Chastain) zu einem gewaltigen Sturm kommt, gelingt es der Crew eines US-Raumschiffs in letzter Sekunde, den Planeten zu verlassen. Zurück bleibt Astronaut Mark Watney (Matt Damon), von dem man annimmt im Sturm umgekommen zu sein. Doch der überlebt leicht verletzt und hat nicht nur keinen Kontakt zur seiner Crew oder der NASA, sondern auch nur ein begrenztes Kontigent an Proviant. Der gelernte Botaniker und Maschinentechniker beginnt mit dem wenigen was er hat, Kartoffeln auf dem Mars anzubauen. Als dies gelingt, versucht er die Kontaktaufnahme zur NASA. Als dies gelingt versuchen die Mitarbeiter Millionen von Kilometern entfernt alles, um den „Marsianer” wieder heil auf die Erde zurückzubekommen. Gleichzeitig wagen die Mitglieder seiner Besatzung (Kate Mara, Michael Peña, Sebastian Stan, Aksel Hennie) eine schier unmögliche Rettungsaktion.

Tut schon beim Zugucken weh – © 2015 Twentieth Century Fox

Ridley Scott kann es also doch noch: spannendes, intelligentes und mitfieberndes Unterhaltungskino. Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Andy Weir erzählt er von einem MACGYVER und dessen SPACE ODYSSEY. Mark Watneys überraschender Pragmatismus ist etwas gewöhnungsbedürftig zu Beginn. Er kommentiert zynisch und flucht, aber gerät nie sonderlich in Panik. Im Vergleich zu Sandra Bullocks → „Shia-LaBeoufing“ und auch zum Reaktionsverhalten eines Menschen, der allein auf dem Mars feststeckt, wirkt das zu abgeklärt. Dennoch muss man ihm zugute halten, dass eben dieser Zynismus für witzige Momente und Unterhaltung sorgt. Clever gelöst ist auch die Weise Marks Gefühle zu transportieren, denn er spricht die ganze Zeit in ein Videolog und erklärt, wie er weiter vorgehen will. Leider werden diese Videoaufnahmen nicht weiter genutzt. Sie werden nicht an die Erde gesendet, sondern bleiben auf dem Mars zurück. Sie dienen also lediglich zur Narration, haben aber keinen Zweck innerhalb der Geschichte, was schade ist. Doch nicht nur Watneys Figur wirkt manchmal zu unnahbar, sondern auch die ganze Mission insgesamt. Der Film wirft einen melancholisch-verklärten Blick auf die Raumfahrt. Die Wichtigkeit der Kameradschaft wird permanent betont, Geld spielt keine Rolle, Sicherheitschecks im Zweifel auch nicht. Es ist auch unrealistisch, dass die NASA derart viel Geld für eine einzige Person ausgibt. Die Rettungsmission zieht sich daher gegen Ende etwas.

Kartoffelernte auf dem Mars – © 2015 Twentieth Century Fox

Und trotzdem funktioniert DER MARSIANER großartig. 3D lohnt sich hier sehr. Die öde Marslandschaft mit ihren zerklüfteteten Ebenen und Sandstürmen, auch wenn diese unrealistisch sind (siehe dazu auch: → Movie Science: The Martian), die Raumstation Hermes und die Erdoberfläche sind den Preisaufschlag einfach wert. Weiter punktet der Film mit popkulturellen Referenzen aus DER HERR DER RINGE, IRON MAN und WALL•E, aber auch mit Discomusik der 70er und 80er, die man auf einer Marsmission zunächst nicht erwarten würde. Hat man sich erstmal an alle Figuren und deren Eigenheiten gewöhnt, können diese richtig punkten, besonders natürlich Matt Damon mit seiner sympathisch-lässigen Art.

Das Team – © 2015 Twentieth Century Fox

Randnotiz: Ridley Scott steht wieder in der Kritik. Hatten sich bei EXODUS Zuschauer bewert, dass für die herrschende Klasse hauptsächlich weiße Schauspieler gecastet, für die verklavte dunkelhäutige, gibt es dieses Mal wieder Ärger, da Scott zwei Figuren, die in der Buchvorlage Asiaten waren, mit → Chiwetel Ejiofor und Mackenzie Davis besetzt hat.

Optisch großartig (5/6)

Trailer: © Twentieth Century Fox

  1. Die Whitewashing Kritik an dem Film ist so lächerlich. Wo bleibt der Aufschrei das der deutsche Astronaut Vogel von einem Norweger gespielt wird?

    Ansonsten spielt Sandra Bullock in Gravity keine Astronautin, sie hatte als Forscherin ja nur den Crashkurs absolviert. Mark Watney sicherlich so gewollt, ein unfähiger Astronaut hätte die Laufdauer doch arg verkürzt.

    Das Ende von Der Marsianer hat mich dann aber schon dark an Mission to Mars und Gravity erinnert. Die Rettungsmission passt auch irgendwie nicht so ganz zum Rest des Films.

Kommentar verfassen