Aufmerksamkeit scheint die Währung des 21. Jahrhundert zu sein. Viele Youtube-Stars und sogenannte Influencer machen aus der Aufmerksamkeit Geld. Die gleiche Prämisse verfolgt auch der Young-Adult-Roman „Nerve“ von Jeanne Ryan, der 2012 veröffentlicht wurde. Im Deutschen heißt das Buch „Das Spiel ist aus, wenn wir es sagen.“ „Nerve“ ist ein Online-Spiel, das gerade bei der Jugend stark angesagt ist. Zuschauer („Watcher“) können Mutproben vorschlagen, die von den Spielern („Player“) ausgeführt werden müssen. Absolvieren Sie die Herausforderungen, bekommen sie nicht nur die Anerkennung ihrer Fans, sondern auch Geld auf ihr Konto. Vee (Emma Roberts) kennt das Spiel nur vom Hörensagen.

Filmstill aus NERVE (2016) von Henry Joost und Ariel Schulman - Vee (Emma Roberts) und Ian (Dave Franco) - © Studiocanal Germany

Vee (Emma Roberts) und Ian (Dave Franco) – © Studiocanal Germany

In der Highschool ist sie ein Niemand. Um ihrer Freundin zu beweisen, dass sie nicht nur passiv und zurückhaltend ist, meldet sie sich im Spiel als „Player“ an. Vee bekommt von den Watchern Ian (Dave Franco) als Spielpartner zugeteilt und zusammen steigen sie in der Bestenliste auf. Um ins Finale zu kommen und den großen Preis zu gewinnen, geht die Jugendlichen bald immer mehr Risiken ein.

NERVE: Mutproben mit Geldanreiz

Die Grundprämisse des Spiels ist nicht neu. Es gibt Mutproben und für erfolgreich absolvierte Aufgaben gibt es Geld und Punkte. Je höher die Punktzahl, desto bekannter und beliebter wird der Spieler. Wie das Spiel tatsächlich funktioniert, wie ein Programm die kompletten Interessen eines Nutzers einschließlich Bankdaten analysieren kann, ist vage erzählt und bedarf eigentlich klarerer Erläuterungen. Allerdings gelingt es dem Film trotzdem die Geschichte halbwegs plausibel zu erzählen. Überzeugend ist der eigenwillige Look des Films. Das merkt man bereits in der Eröffnungsszene. Noch bevor man Vee das erste Mal sieht, sieht man ihren Bildschirm. Man sieht welche Programme und Bilder auf dem Desktop liegen, welche Playlists in ihrem Spotify-Account ihr gefallen. Dieser Einstieg macht automatisch neugierig und ist für Teenie-Actionfilme doch eher ungewöhnlich. Handwerklich ist der Film tatsächlich gut gemacht. Auch wenn zu einem späteren Zeitpunkt eine Mutprobe Vee auf einer Leiter über eine Häuserschlucht führt, wirkt alles sehr real. Man hat das Gefühl, dass jederzeit alles passieren kann.

Clip aus NERVE; gefunden auf Youtube/Trust, © Studiocanal Germany

Draufgänger trifft Mauerblümchen

Zwischen Dave Franco und Emma Roberts herrscht durchaus eine gute Chemie. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass sich die beiden schon vom Dreh eines Musikvideos einer amerikanischen Indie-Band kannten. Die Figurenkonstellation ist sehr konventionell. Der „furchtlose Draufgänger“ und das „über sich hinauswachsenden Mauerblümchen“ sind allerdings alles andere als innovativ. Über weite Strecken funktioniert die Kombination aber doch überraschend gut.

Filmstill aus NERVE (2016) von Henry Joost und Ariel Schulman - Nerve-Finalist Ty (Richard Colson Baker, bekannt als US-Rapper Machine Gun Kelly) - © Studiocanal Germany

Nerve-Finalist Ty (Richard Colson Baker, bekannt als US-Rapper Machine Gun Kelly) – © Studiocanal Germany

Leider hat man das Gefühl, dass sich der Film am Ende doch nicht so viel traut. So haben die Regisseure eine sexuelle Mutprobe nicht gefilmt um keine jüngeren Zuschauer zu verlieren. Außerdem merkt man recht schnell, dass die ganze Handlung wohl am Ende auf eine klassische Mädchen-trifft-Junge-Liebesgeschichte hinausläuft. Der Bösewicht wirkt schwach und taucht erst auf den letzten Metern auf. Das ist eigentlich schade, denn NERVE hat durchaus gute Ansätze, die einfach nur nicht bis zum Schluss konsequent durchgezogen werden. Von einem Film über Mutproben kann man doch mehr Mut erwarten.

4/6 bzw. 7/10

NERVE kann man momentan [Stand: Oktober 2017] über Amazon Prime ansehen.

Trailer: © Studiocanal Deutschland