Michael H. – profession: director ist zugleich Bestandsaufnahme, Analyse und Würdigung von Michael Hanekes radikalem Kinoschaffen. Ausgehend von Hanekes jüngstem Welterfolg Amour (Goldene Palme, Golden Globe, fünf Oscar-Nominierungen) rollt Yves Montmayeur, langjähriger Begleiter und Freund des Regisseurs, Hanekes Werdegang bis hin zu seinen ersten konzeptuellen Kinofilmen, von hinten nach vorn auf. Montmayeur montiert Filmausschnitte, Interviews mit dem Filmemacher und seinen Schauspielern und Hintergrundszenen von Dreharbeiten zu einem verspielten Portrait, das kongenial mit dem Werk und der Arbeitsweise des mittlerweile weltberühmten Filmkünstlers vertraut macht.

Montmayeur geht von dem aktuellen Erfolgsfilm Amour aus und geht dann chronologisch rückwärts. Er spricht mit Schauspielern und Kollegen über Haneke und versucht herauszufinden, was die Arbeit von ihm ausmacht. Es geht um Fragen der Realität und Wahrheit. Warum es wichtig ist, dem Zuschauer eine eigene Interpretation des Films zu gestatten. Was Haneke bewegt, ständig Filme über das Leiden zu machen. Für Leute, die noch keinen einzigen Haneke-Film gesehen haben, wirken die einzelnen Filmszenen etwas aus dem Zusammenhang gerissen. Ein bißchen mehr Kontext bzw. ein, zwei Sätze zum Inhalt oder Thema der Filme wären für Nicht-Kenner hilfreich. Auf der anderen Seite macht geanu dieses Nicht-Wissen auch neugierig sich den ein oder anderen Film anzusehen. Die Dokumenation zeigt deutlich, wie Haneke sich selbst versteht und wie er das Publikum einschätzt. Seine Aussagen und Ansätze sind durchaus interessant und hallen auch noch nach, wenn man das Kino verlässt.

Gelungene Dokumentation (5/6)