Adèle (Adèle Exarchopoulos) ist ein ganz normaler Teenager, der noch zur Schule geht und mit ihren Freundinnen abhängt. Eines Tages beim Mittagessen fällt ihren Klassenkameradinnen auf, wie der hübsche Thomas (Jérémie Laheurte) immer mal wieder zu Adèle rüberschaut. In kürzester Zeit lernen sich die beiden Jugendlichen kennen und lieben, doch etwas stimmt für Adèle nicht, weshalb sie die Beziehung schnell wieder beendet. In einer Bar trifft sie auf Emma (Léa Seydoux). Die junge Frau mit den blau gefärbten Haaren ist Adèle schon vor ihrer Affäre mit Thomas aufgefallen und scheint ihr seither nicht mehr aus dem Kopf zu gehen. Es dauert nicht lange, bis die beiden ein Paar werden. Die Jahre verstreichen und während Emma Erfolge mit ihren Bildern feiert, beginnt Adèle eine Ausbildung zur Lehrerin. Doch Misstrauen und Eifersucht gibt es auch in einer Liebesbeziehung zwischen Frauen.

Manchmal ist das Kino schneller als die Gesellschaft. Zwischen März und August 2012 wurde dieser Film von Abdellatif Kechiche gedreht, der die gesellschaftlichen Entwicklungen im eigenen Land schon vorwegnahm. Im darauffolgenden Jahr kam es nämlich zu zahlreichen → Protesten für und gegen die Homo-Ehe. Dabei will der Regisseur laut eigener Aussage aber kein Statement für mehr Akzeptanz gegenüber Homosexuellen abgeben, sondern lediglich eine Liebesgeschichte erzählen. Diese Geschichte basiert auf dem gleichnamigen französischen  Comic von Julie Maroh. Die Geschichte kriecht im Schneckentempo entlang und man hofft immer, dass jetzt bald die Figuren auf den Punkt kommen. Die ständigen Nahaufnahmen verdeutlichen beispielsweise gut den Blickkontakt zwischen den handelnden Figuren, sind aber inhaltlich auch häufig nichtssagend. Zudem wackelt die Handkamera ganz fürchterlich sobald eine Figur auf- und abspringt oder sich sonst irgendwie schnell bewegt. Auch auf der Tonspur tut sich wenig. Während der Film zu Beginn noch interessant ist, gibt es im weiteren Verlauf langweilige Dialoge („Die Spaghetti sind lecker.“ – „Vielen Dank.“), die es nicht gebraucht hätte. Die eigentliche Geschichte hätte man auch in weniger als diesen endlos langen 179 Minuten plausibel und gefühlvoll erzählen können. Nicht zuletzt den beiden grandiosen und natürlichen Hauptdarstellerinnen ist es aber zu verdanken, dass man trotz der langen Strecken am Ball bleibt und doch noch wissen will, wie die Geschichte denn nun ausgeht. Die Sexszenen zeigen wirklich alles und sind selbst für einen französischen Film extrem lang. Auch die beiden Hauptdarstellerinnen äußerten sich im Nachhinein negativ zu diesen Szenen. Eine klagte den Regisseur an und gab bekannt, sich → wie eine Prostituierte gefühlt zu haben. Aber auch ohne diese Debatte tun einem die Mädchen leid. Die Kamera hält voyeuristisch auf alles drauf, was sich bewegt, wo sie sich eigentlich verschämt wegdrehen müsste. Wo man sich bei JUNG & SCHÖN noch fragte, ob das noch Kunst oder Pornographie ist, kann man bei BLAU IST EINE WARME FARBE eine klare Aussage treffen: Pornographie! Das wird aber weder dem Thema gerecht noch hilft sie die Geschichte zu erzählen.

Zu lang und zu heftig (3.5/6)

Trailer: © Alamode