Magical overload

„Märchen schreibt die Zeit, in des Dichters Kleid, die Schöne und das Biest.“ An die Disney-Version aus dem Jahr 1991 denkt man sicherlich als Erstes, wenn man über die kinematografische Umsetzung des französischen Volksmärchens nachdenkt. Angesichts der Märcheneuphorie in den letzten Jahren (wir erinnern uns: Snow white and the huntsman, Red Riding Hood und Rapunzel – Neu verföhnt) war es nur eine Frage der Zeit bis auch die schöne Belle und das Biest wieder den Weg auf die große Leinwand finden. Die Geschichte von Regisseur Christophe Gans spielt im Jahr 1810 in dem ein Schiffbruch einen wohlhabenden Händler (André Dussollier) und Vater dreier Töchter und dreier Söhne in den finanziellen Ruin treibt. Die Familie zieht aufs Land und lebt fortan in ungewohnt ärmlichen Verhältnissen. Nur die Jüngste, die anmutige Belle (Léa Seydoux), kann sich für die ländliche Idylle begeistern. Doch das Schicksal schlägt ein zweites Mal zu. Als der Vater in einem verwunschenen Schlossgarten eine Rose für Belle pflückt, wird er vom Besitzer, einem Ungeheuer (Vincent Cassel), zum Tode verurteilt. Furchtlos begibt sich Belle anstelle des Vaters in den Palast, bereit sich zu opfern. Doch dort erwartet sie nicht der Tod, sondern ein merkwürdiges Leben, erfüllt von Magie, Luxus und Melancholie. Jeden Tag isst Belle gemeinsam mit dem Biest zu Abend. Jede Nacht wird sie von Träumen heimgesucht, die die tragische Vergangenheit des Biests enthüllen. Das Biest spürt ein immer stärker werdendes Verlangen nach der schönen, jungen Frau. Die nutzt ihren Mut, um das Geheimnis des bösen Zaubers zu entdecken, unter dem ihr unheimlicher Bewunderer leidet.

© Concorde Home Entertainment

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Nach einer sanften Fahrt ins Märchenbuch erlebt man insbesondere in der zweiten Hälfte des Films ein Actionfilm sondersgleichen. Mehrere Sequenzen sind Slow-Motion-Einstellungen, die tatsächlich optisch einiges hermachen. So sieht man beispielsweise den langsamen Flug des Biests ehe es angreift. Allerdings könnte man genau dieses auch monieren, als einfach nicht märchenhaft und untypisch. Die Landschaften, das Setdesign und Kostüme von Pierre-Yves Gayraud sind ein Hingucker, ebenso wie der tolle Soundtrack von Pierre Adenot, der sehr gut zum Märchenthema passt. Bei den Schauspielern fällt das Urteil nicht so gut aus. Sowohl die Liebe zwischen Vincent Cassel und Yvonne Catterfeld als auch die von Cassel und Seydoux wirkt nicht überzeugend genug. Gerade im letzteren Fall sind starke Schwächen erkennbar, da sich die beiden nur in wenigen Szenen sehen, in denen sie sich häufig nur Einzeiler hin- und herwerfen, dann aber gegen Ende plötzlich aus dem Nichts einander verfallen und den Zuschauer ungewollt zum Lachen zu bringen. Auch die Vielzahl der Figuren sorgt dafür, dass selbst die Hauptrollen wenig Tiefe  haben. Wie schon kurz angedeutet, trieft das Ende vor Kitsch, der selbst die Disney-Romantik der Zeichentrickversion in den Schatten stellt.

La Belle et la bête will allen gefallen. Deshalb ist hier ein bißchen Action, da ein bißchen (viel) Kitsch, hier noch ein paar Special Effects, aber eine klare Linie ist nicht wirklich erkennbar. Dann doch lieber die Disney-Version nochmal anschauen.

Trieft vor Kitsch (2.5/6)

Trailer: © Concorde Home