Captain Phillips (2013)

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Piratenangriff. Wer bei diesem Wort an historische Figuren oder vielleicht FLUCH DER KARIBIK denkt, vergisst leicht, dass es auch heute noch Piraten gibt. Zum Beispiel vor der Ostküste Somalias. Im April 2009 wird dort das US-amerikanische Container-Frachtschiff „MV Maersk Alabama“ von Piraten gekapert. Obwohl sich die Crew mit allen Mitteln verteidigt, gelingt es den Piraten tatsächlich das gigantische Frachtschiff zu entern. Kapitän Richard Philipps (Tom Hanks) verhandelt schließlich mit den Piratenanführer Muse (Barkhad Abdi). Gleichzeitig gelingt es Mitgliedern seiner Crew das Schiff manövrierunfähig zu machen und sich vor den Piraten zu verstecken. Als die Erstürmung des herumtreibenden Schiffes durch US-Spezialeinheiten droht, entsteht eine Pattsituation. Um die eigene Crew vor einer Gefangennahme zu bewahren, bietet er sich Captain Philips selbst als Geisel an.

Szenenbild aus CAPTAIN PHILIPS (2013) - © 2013 Columbia Pictures
© 2013 Columbia Pictures
Kalkül und Verzerrung

Das Kalkül hinter der Verfilmung von Captain Philips’ Memoiren “A Captain’s Duty: Somali Pirates, Navy SEALS, and Dangerous Days at Sea” ist mehr als offensichtlich. Allein schon die Besetzung von Sympathieträger Tom Hanks schreit förmlich nach Oscar. Und so kam es auch. In sechs Kategorien wurde CAPTAIN PHILIPS nominiert und gewann in keiner Kategorie. Das mag zum einen an der Konkurrenz liegen, zum anderen aber bestimmt auch am Film selbst, der wenig kritische Zwischentöne zulässt. Denn man könnte an dem vermeintlichen Helden auch Kritik üben. Der echte Captain Philips ist nämlich nicht ganz unumstritten. Es ist nach wie vor unklar, warum er trotz Piraten-Warnung so nah an der Küste entlangfuhr und warum er der Crew Informationen verheimlichte. Die Filmversion von Philips hingegen ist der klassische, gradlinige Held, der sich zur Not auch zum Wohle seiner Crew opfern würde. Meine Lieblings-Filmrecherche-Seite → “History vs. Hollywood” hat zahlreiche Diskrepanzen zwischen den Fakten und der filmischen Aufarbeitung aufgedeckt.

Szenenbild aus CAPTAIN PHILIPS (2013) - Das Militär greift ein. - © 2013 Columbia Pictures
Das Militär greift ein. – © 2013 Columbia Pictures
Solide Leistung, hoher Aufwand

Lässt man die historische Genauigkeit außer Acht ist CAPTAIN PHILIPS eine etwas langgezogene Heldengeschichte, die von Teamarbeit und Führungsqualitäten handelt. Da steht und fällt natürlich alles mit der Hauptrolle. Tom Hanks macht einen guten Job. Er unterhält und trägt auch durch drögere Passagen. Die letzte Szene des Films, in der Philips nach der geglückten Rettung von medizinischem Personal untersucht wird, ist herzzerreißend und wahnsinnig gut gespielt. (Allerdings muss ich ganz klar sagen: die beste “Tom Hanks rettet viele Menschen”-Rolle in den letzten Jahren ist meines Erachtens immer noch SULLY. Der ist auch besser gemacht.) Paul Greengrass sorgt durch eine Kamera, die nah an den Protagonisten ist, für genügend Intensität und Empathie für die Figuren. Beides kann allerdings nicht immer durchgehend aufrecht erhalten werden. Man sieht durchaus den Aufwand, der in diesen Film geflossen ist. Und trotzdem hat man beim Zusehen immer wieder das Gefühl, das die Geschichte zu glatt erzählt wird. Die Aspekte, die besonders cineastisch herüberkommen, wenn etwa der Captain sein Leben für das seiner Crew eintauschen möchte, sind auch meistens fiktionale Ergänzungen. Der Film ist leicht zu durchschauen und die „Oscarbait“-Masche ist dann doch zu offensichtlich. Spannend ist der Film aber allemal.

4/6 bzw. 7/10


Trailer: © Sony Pictures Austria

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